Der Berg ruft: Waldi, Rex & Co. -Bergwanderurlaub mit Vierbeinern

von Corinna Reiter

Auf der Suche nach einer wirklich artgerechten Form der Urlaubsgestaltung mit Vierbeinern entdeckten wir bereits 1993 das Bergwandern für uns und unsere Hunde. Als „Rudel“ waren wir bisher in den deutschen Alpen, in Österreich und Südtirol auf Bergtouren unterwegs.

Ob in den Ammergauer Alpen, dem Ötztal, Kleinarltal oder der Ortlerregion, es gibt viele Touren, die mit Vierbeinern unproblematisch sind. Unser höchstes Hüttenziel auf einer Tagestour mit Hund war bisher die Payerhütte auf 3.029 m im Ortlermassiv in Südtirol.

Das Wandern und das hochalpine Bergwandern mit Hund erfreuen sich immer größerer Beliebtheit unter den Hundehaltern und kommen dem Naturell unserer vierbeinigen Weggefährten sehr entgegen, denn das Wirbeltier Hund ist bekanntlich ein Bewegungs- und Lauftier. Es gibt für Hunde nichts Schöneres, als mit Ihrem menschlichen Rudel in der Natur unterwegs zu sein.   Als Zweibeiner lernt man durch den Vierbeiner wieder auf Kleinigkeiten zu achten und die Natur zu genießen. Die vielen wunderschönen Erinnerungen an gemeinsame Wanderungen mit meinen Hunden durch die traumhafte Einsamkeit der atemberaubenden, hochalpinen Bergwelt, Jausen an urigen Alm- und Berghütten, die Sichtung von Murmeltieren, Steinadlern oder Steinböcken in ihrem natürlichen Umfeld, Begegnungen mit zutraulichen Nutztieren auf Almen, diese Erinnerungen bleiben.

Auf hochalpinen Bergtouren zeigen unsere Vierbeiner, dass ihre natürlichen Instinkte noch funktionieren. Für gesunde Vierbeiner sind Bergtouren ein wunderbares Erlebnis und eine gesunde körperliche und geistige Herausforderung. Es ist erstaunlich, wie schnell unsere vierbeinigen Stadtneurotiker den Umgang mit unbekannten Hindernissen und Situationen erlernen. Das Überqueren von Viehrosten auf Wanderwegen ist für die meisten Vierbeiner zum Beispiel eine reine Gewohnheitssache.

Wandern mit Hund ist in jeder Art von Gelände möglich und es gibt Veranstalter, die sich auf die Organisation von Wanderreisen für Hund & Halter spezialisiert haben und Wanderreisen mit Hund in Deutschland und dem europäischen Ausland anbieten. Die ideale Reiseform für all die Hundehalter, die gerne in einer Gruppe Gleichgesinnter mit Ihrem Vierbeiner viel erleben und traumhafte Naturlandschaften unter professioneller Führung erkunden möchten. Ob Wanderungen im Flachland Norddeutschlands, im Erzgebirge oder in der Toskana und auf Elba, die Angebote hierzu sind sehr vielfältig. (z.B. www.hundewandertouren.de, www.hundewandern.net, www.dogtours.de, www.hundeausflug.net, www.hundewanderungen-nord.de)

Eine Grundvoraussetzung für Zwei- und Vierbeiner ist Gesundheit und körperliche Fitness/Kondition.

Das hochalpine Bergwandern mit Hund ist jedoch nicht vergleichbar mit Wanderungen im Flachland oder in Mittelgebirgen und stellt besondere Anforderungen an Zwei- und Vierbeiner.

Planen Sie einen Bergwanderurlaub mit Hund, so sollten einige Grundvoraussetzungen vorab erfüllt sein:

Gutes Sozialverhalten gegenüber Artgenossen, anderen Tieren und Menschen.
Stabiler Grundgehorsam – Beherrschung aller gängigen Alltagskommandos.
Gute Kondition, bei Tagestouren für eine Gehzeit von 4-6 Stunden.
Leinenführigkeit
Beherrschen des Frei-Fuß-Laufens.
Der Hund sollte Jederzeit abrufbar sein.
Der Hund sollte mindestens 1 Jahr alt sein.
Der Vierbeiner sollte gewöhnt sein, einmal alleine zu bleiben, falls er nicht mit in eine Gaststube oder Berghütte darf.
Der Hund sollte sich in einem einwandfreien Gesundheitszustand befinden und keine Erkrankungen der Gelenke, Knochen oder des Herz-Kreislaufsystems haben.

Der Vierbeiner sollte einen stabilen Grundgehorsam erlernt haben. Grundkommandos wie Sitz, Platz, Bleib, Stopp, Hier und Aus sollte der Hund beherrschen, und Leinenführigkeit sowie Freifolge am Fuß sollten bei Bedarf selbstverständlich sein. Ist Ihr Vierbeiner so gut trainiert und so zuverlässig, dass er auf Bergtouren ohne Leine laufen kann, so sollte er z.B. an Wegbiegungen automatisch stehen bleiben und nicht einfach weiter- laufen, schließlich verfügen die zweibeinigen Rudelmitglieder weder über einen Röntgenblick noch über Teleskoparme und können nicht sehen, was sie hinter der Wegbiegung erwartet. Vor Ankunft an einer Berghütte oder Almhütte leine ich meine Hunde grundsätzlich an, schon aus Rücksichtnahme auf Gäste. Das klare Kommando „rüber“ bedeutet für meine Vierbeiner z.B. entgegenkommenden Wanderern auf schmalen Wegabschnitten auszuweichen und nicht mitten auf dem Weg stehen zu bleiben.

In den Hochgebirgsregionen gibt es nicht nur Wild (Rehe, Hasen, Steinböcke) sondern auch freilaufende Herden von Nutztieren wie Schafe, Pferde und Kühe, die den Sommer über im Gebirge weiden. Verfügt Ihr Hund auch nur ansatzweise über Jagdtrieb, so kann er Sie nur angeleint auf solche Touren begleiten.

Auf schmalen Bergpfaden mit steil abfallenden Berghängen sind Alltagskommandos unerlässlich. Harmlose Unarten, die wir bei unseren Vierbeinern im Alltag zuhause eher belächeln, können auf Bergtouren dramatische Folgen haben. Hat ein Vierbeiner die Angewohnheit andere Menschen durch freundliches Anspringen zu begrüßen, so ist dies auf einer Bergtour keine „harmlose Unart“, sondern kann für andere Zweibeiner auf schmalen Bergsteigen, beladen mit schweren Wanderrucksäcken, eventuell lebensgefährlich.

Rex, Waldi & Co. sollten in einwandfreiem Gesundheitszustand sein, Erkrankungen der Gelenke und Knochen, sowie Herz-/Kreislauferkrankung, sollten nicht vorliegen. Hochalpine Bergtouren mit Hund sind nicht geeignet für Junghunde. Ihr Vierbeiner sollte mindestens 1 Jahr alt sein. Eine Notfallapotheke für den Vierbeiner sollte auf jeden Fall im Wanderrucksack mitgeführt werden. Natürlich sollte auch der Hundehalter in körperlich und psychisch einwandfreiem Zustand sein, schwindelfrei sein und keine Höhenangst haben.

 Notfallapotheke für den Hund:
Verbandmaterial und Einmalhandschuhe
Wundsalbe/Jodsalbe
Fettcreme für die Pfotenpflege
Augensalbe
Desinfektionsspray
Zeckenzange, Pinzette und Schere
Eisspray und Sprühpflaster
Globulis/Bachblüten – Durchfall, Notfalltropfen, Arnica
Homöopathisches Schmerzmittel (Traumeel)
Eventuell notwendige Medikamente bei Allergien – (Absprache mit dem Tierarzt)

Organisierte Bergwanderreisen im Hochgebirge haben den Vorteil, dass Wegstrecke und Übernachtungen vom Anbieter geplant werden und professionelle Bergführer und Hundetrainer die Touren führen (z.B. www.hundewelt-kleinwalsertal.de).

Es gibt traumhafte Bergwanderregionen in den deutschen Alpen, Österreich, der Schweiz und Südtirol, und viele Bergrouten sind gut und unproblematisch   mit Hund begehbar. Auch viele hundefreundliche Hotels in verschiedenen Bergregionen des Alpenraums bieten für Ihre Gäste inzwischen geführte Bergtouren mit Vierbeinern an.

Planen Sie einen individuellen Bergwanderurlaub mit Vierbeiner, können Sie zu allen Bergregionen vielfältiges Kartenmaterial im Buchhandel oder im Internet erhalten und die Touren entsprechend planen. Bitte beachten Sie die in Wanderführern und in Karten angegebenen Gehzeiten und Schwierigkeitsgrade. Die klassische Art des Bergwanderns ist die mit Kompass und Landkarten, aber natürlich können heute auch moderne technische Mittel wie GPS genutzt werden. Sind Sie mit Vierbeiner alleine unterwegs, so sollten Sie Bergsteige mit ausgesetzten Wegstellen meiden. Ausgesetzte Wegstellen bedeuten, dass der Vierbeiner eventuell ein Stück an einer Wand hochgehoben werden müsste, oder plötzlich ein Wegstück kommt, wo man als Zweibeiner nur mit Seilsicherung oder über Nägel in einer Wand weiterkommt. Diese Hindernisse sind mit Vierbeiner im Alleingang nicht zu überwinden und bedeuten in der Regel die Umkehr. Am einfachsten ist mit Hund die Planung von Tagestouren im jeweiligen Urlaubsgebiet. Auf den meisten Berghütten ist eine Übernachtung mit Hund nicht möglich. Hoteliers, Privatvermieter, Hüttenwirte und die Bergwacht sind bei Fragen zu Wanderrouten gerne behilflich. Informieren Sie sich vor jeder Bergtour über die Wetterverhältnisse. Im Hochgebirge kann das Wetter sehr schnell umschlagen und so können eigentlich einfache Wanderwege zu einer Rutschpartie werden. Wetterbekleidung, ein T-Shirt und Socken zum Wechseln gehören auf jeden Fall mit in der Wanderrucksack. Für hochalpine Bergtouren ist das entsprechende Schuhwerk unerlässlich.

Wichtig ist beim Bergwandern mit Vierbeiner auch die richtige Ausrüstung für den Vierbeiner.

Ausrüstung für den Hund:
Führleine bis zu 3 m Länge
Brustgeschirr und Halsband
Hundereisenapf und Leckerlis
Reisemaulkorb
Hundepacktasche
Pfotenschuhe
Hundehandtuch

Rex oder Molly können die eigene Hundepacktasche während der Tour tragen (Befüllung bis zu 10% des Körpergewichtes).

Für das funktionierende Mensch-Hund Team ist das Bergwandern eine Bereicherung und ein Erlebnis, das Mensch und Hund als eingespieltes Team zusammenschweißt.

Erschienen in „Dog & Travel“ Sommerausgabe 2014
© Corinna Reiter 2014

(1589)